Pause im Park
Schule und Kindergarten im französischen Marly
Mit ihren abgerundeten Ecken schmiegt sich die Ecole Hélène Carrère d’Encausse in den vorstädtischen Kontext der französischen Gemeinde Marly nahe der belgischen Grenze. Der von archi5 (Montreuil) und Bureau Face B (Lille) geplante Neubau kombiniert Grundschule mit Kindergarten beziehungsweise Vorschule und führt damit die beiden Schulen Nelson Mandela und Louise Michel zusammen. Laut Architekt*innen entstand hier ein Lernumfeld mit Schwerpunkt auf der Natur und umgeben von Bäumen.
Das Projekt legt sich über zwei Grundstücke. Auf einem stand zuvor ein heruntergekommenes Chateau, das nicht mehr zu erhalten gewesen sei, das andere war eine ungenutzte, überwucherte Grünfläche. Die Büros verschränkten drei Gebäudeflügel so miteinander, dass verschiedene Außen- und Pausenräume entstanden. Im Norden des Campus schufen sie einen fließenden Übergang zwischen dem Schulgelände und einem neu angelegten, öffentlichen Park, den Schüler*innen wie Bewohner*innen gleichermaßen nutzen können. Die Landschaftsgestaltung übernahmen ZB paysages (Paris/Bordeaux).
Die beiden Bildungseinrichtungen teilen sich auf einer Bruttogrundfläche von gut 3.150 Quadratmetern zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss befinden sich die Räume des Kindergartens. Gen Garten ausgerichtete bodentiefe Öffnungen gewähren den Kindern auch im Sitzen einen ständigen Blick nach draußen. Komplementiert wird das Raumprogramm von einem Mehrzwecksaal, Schlafstätten und einer Mensa, die alle Schüler*innen nutzen.
Eine Etage höher liegen die Grundschulräume. Zwölf Klassenzimmer sowie Funktionsbereiche und ein Gruppenraum teilen sich auf vier separate Holzboxen auf – wohlgemerkt mit abgerundeten Ecken. Durch die aufgelockerte Setzung vergisst man ein wenig, dass es sich hier um einen recht klassischen Flurschultypen handelt. Als Mittelgang durchläuft er das gesamte L-förmig organisierte Obergeschoss. An den Rücksprüngen zwischen den einzelnen Volumen bietet er Austritte auf ein weitläufiges Terrassendeck samt Rasenflächen und einem Freiluft-Klassenzimmer.
Die nähere Umgebung von Marly und dem direkt angrenzenden Valenciennes prägen diverse rote Backsteinbauten. Einen weniger rustikalen, aber dennoch geerdeten Eindruck erweckt der mit hellen Ziegeln verkleidete Betonsockel der Schule Hélène Carrère. Im Kontrast dazu steht die Holzlattenhaut des Obergeschosses. Sie nimmt das Kurventhema des gesamten Entwurfs als nach innen gewölbte Fassadensegmente auf.
Text: Paula Feichter
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- archi5, Bureau Face B
- Landschaftsarchitektur:
- ZB paysages
- Bauherrschaft:
- Stadt Marly
- Fläche:
- 3.164 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 10.500.000 € ohne Steuern
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