Zäsur am Checkpoint Charlie
Wettbewerb in Berlin entschieden
Zäsur am Checkpoint Charlie
Wettbewerb in Berlin entschieden
Zwischen Kaltem Krieg und Touristenfalle: Am Checkpoint Charlie soll aufgeräumt werden. Wie sich die historische Leere des Ortes bewahren und gleichzeitig ein zeitgemäßer Bildungs- und Erinnerungsort schaffen lässt, sollte ein europaweiter Wettbewerb klären. Jetzt wurde er entschieden.
98.118 Google-Bewertungen verzeichnet der Checkpoint Charlie aktuell – Top 3 in Berlin. Zwei der meistgenannten Stichworte seiner jährlich rund vier Millionen Besuchenden lauten „Kalter Krieg“ und „Touristenfalle“. Damit wäre dieser historisch bedeutsame und umkämpfte Ort umrissen. Und gleichermaßen das komplizierte Setting für den vom Land Berlin ausgelobten Wettbewerb gesetzt, der am Mittwoch entschieden wurde.
In seiner heutigen Erscheinung und Nutzung bleibe der Ort hinter seiner historischen Bedeutung zurück, heißt es in der Ausschreibung. Daher bestünde die Notwendigkeit, den Stadtraum als zusammenhängenden Bildungs- und Erinnerungsort zu gestalten und dauerhaft zu sichern. Mit anderen Worten: Man will aufräumen am Checkpoint Charlie, an dem sich seit Jahren Partikularinteressen von Denkmalpflege, Erinnerungskultur, Tourismus und Investoren nicht nur streiten, sondern sichtbar tummeln.
Vorausgegangen war ein Dialogverfahren, aus dem gestalterische Leitlinien hervorgingen, die auch für die beiden angrenzenden, noch unbebauten Grundstücke des Projektentwicklers Gold.Stein gelten. Auf Grundlage der Leitlinien forderte die Auslobung nun beispielsweise, die „historische Leere, Strenge und Weite“ des ehemaligen Grenzübergangs und alliierten Kontrollpunkts zu bewahren und gleichzeitig Informationsvermittlung und Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Zudem waren die Sichtbarkeit der denkmalgeschützten Brandwände sicherzustellen und klimawirksame Begrünung wie Beschattung umzusetzen. Die Suche galt also der eierlegenden Wollmilchsau.
In seiner heutigen Erscheinung und Nutzung bleibe der Ort hinter seiner historischen Bedeutung zurück, heißt es in der Ausschreibung. Daher bestünde die Notwendigkeit, den Stadtraum als zusammenhängenden Bildungs- und Erinnerungsort zu gestalten und dauerhaft zu sichern. Mit anderen Worten: Man will aufräumen am Checkpoint Charlie, an dem sich seit Jahren Partikularinteressen von Denkmalpflege, Erinnerungskultur, Tourismus und Investoren nicht nur streiten, sondern sichtbar tummeln.
Vorausgegangen war ein Dialogverfahren, aus dem gestalterische Leitlinien hervorgingen, die auch für die beiden angrenzenden, noch unbebauten Grundstücke des Projektentwicklers Gold.Stein gelten. Auf Grundlage der Leitlinien forderte die Auslobung nun beispielsweise, die „historische Leere, Strenge und Weite“ des ehemaligen Grenzübergangs und alliierten Kontrollpunkts zu bewahren und gleichzeitig Informationsvermittlung und Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Zudem waren die Sichtbarkeit der denkmalgeschützten Brandwände sicherzustellen und klimawirksame Begrünung wie Beschattung umzusetzen. Die Suche galt also der eierlegenden Wollmilchsau.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hatte den zweiphasigen, europaweiten Realisierungswettbewerb (RPW 2013) in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie der Stiftung Berliner Mauer ausgelobt. 22 Teams (aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Architektur und Szenografie) nahmen an der ersten Runde teil. Die Jury unter Vorsitz von Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Axel Lohrer kürte drei Preise und zwei Anerkennungen.
- 1. Preis: A24 Landschaft (Berlin) mit Holzer Kobler Architekturen (Berlin) und ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft
- 2. Preis: Koeber Landschaftsarchitektur (Stuttgart) mit SPACE4 (Stuttgart) und Steimle Architekten (Stuttgart)
- 3. Preis: Weidinger Landschaftsarchitekten (Berlin) mit Wandel Lorch Götze Wach (Frankfurt am Main)
- Anerkennung: Sowatorini Landschaft (Bochum) mit nowakteufelknyrim exhibition design (Düsseldorf) und Meghan Rolvien (Zürich)
- Anerkennung: Global Arquitecura Paisagista (Lissabon) mit Julia Kaschlinski (Berlin) und PEB + Harm Reccius Architekten (Berlin)
Dem Siegerprojekt um A24 Landschaft gelang laut Jury nicht nur der beste Spagat zwischen all den Anforderungen, sondern es produzierte auch ein „nur zu diesem Ort passendes Bild von hoher ikonologischer Kraft“, so Lohrer. „Der Entwurf greift die starke räumliche Zäsur auf“, sagt Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, die den Bildungs- und Erinnerungsort künftig betreuen und kuratieren wird.
Bemerkenswert sind die konzeptionellen Ansätze der ausgezeichneten Projekte, die sich sowohl atmosphärisch als auch in ihren Auswirkungen auf die Verkehrsführung unterscheiden. Laut Auslobung ist eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs über die Friedrichstraße für 2030 vorgesehen, die Zimmerstraße wird als Fahrradstraße ausgebaut – entsprechend war Verkehrsberuhigung gefordert.
Bemerkenswert sind die konzeptionellen Ansätze der ausgezeichneten Projekte, die sich sowohl atmosphärisch als auch in ihren Auswirkungen auf die Verkehrsführung unterscheiden. Laut Auslobung ist eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs über die Friedrichstraße für 2030 vorgesehen, die Zimmerstraße wird als Fahrradstraße ausgebaut – entsprechend war Verkehrsberuhigung gefordert.
Im Gegensatz zum ersten Preis, der durchaus mit Eindrücken von Kontrolle und Beklemmung arbeitet, zeigt sich der zweite Preis deutlich freundlicher. Das Team um Koeber Landschaftsarchitektur verteilte über die gesamte Fläche in lockerer Streuung Bäume und Ausstellungswände. Damit füllt der Entwurf nicht nur die Leere, sondern schränkt auch den Kfz‑Verkehr über die Friedrichstraße am stärksten ein. Der dritte Preis (Weidinger Landschaftsarchitekten) wiederum inszeniert den ehemaligen Grenzübergang als Transitraum und setzt Glaswände links und rechts der Friedrichstraße.
Laut Senatsverwaltung schließt nun ein Vergabeverfahren zur Beauftragung der ausgeschriebenen Leistungen an. 1,65 Millionen Euro stellt der Bund im Rahmen der Gedenkstättenkonzeption für die Neugestaltung zur Verfügung. Umgesetzt wird die Baumaßnahme durch Grün Berlin.
Laut Senatsverwaltung schließt nun ein Vergabeverfahren zur Beauftragung der ausgeschriebenen Leistungen an. 1,65 Millionen Euro stellt der Bund im Rahmen der Gedenkstättenkonzeption für die Neugestaltung zur Verfügung. Umgesetzt wird die Baumaßnahme durch Grün Berlin.
Zum Thema
Vom 13. bis 23. Oktober 2026 werden die Wettbewerbsarbeiten im Neuen Stadthaus ausgestellt. Am Montag, 12. Oktober 2026, werden die Ergebnisse um 18:00 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung und Ausstellungseröffnung vorgestellt: berlin.de
Berliner Baupolitik
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